Pigmente

„Wie bringe ich den Farbstoff auf den Farbträger?“, stellt bis heute mein malerisches Forschungsfeld dar. Aus der Fragestellung, „Wie kann ich einen Farbstoff mit einem Bildträger verbinden?“, entwickle ich eine Versuchsanordnung und letztlich meine eigene Technik.

Alle entwickelten Techniken untersuche ich über die Jahre immer wieder neu; tausche Bindemittel oder Trägermaterial etc., analysiere das Verhalten des Farbmittels, im und auf dem Farbträger und frage mich „kann der Farbträger auch der Bildträger sein, usw.“

So habe ich mich nach Arbeiten mit verschiedenen Pigmenten und deren Verhalten mit unterschiedlich saugenden Papieren auf den Einsatz von mineralischen Farbpigmenten begrenzt.

Diese erlauben mir durch ihre kristalline Grundstruktur (gemahlener Stein), welcher sich nie ganz im Bindemittel auflöst, einen reliefartigen Aufbau an der Unebenheit des Leinwandgewebes. Mehrmaliges Abstreifen des mineralischen Pigmentes an den erhöhten Stellen des Gewebes verdichten das feine Mineral dort und bilden nach einem langen Prozess „Farb-Inselgruppen“. Ein feines, glatt poliertes „Steinrelief“ entsteht durch den mechanischen
Auftrag mit dem Schwamm, welcher durch seine Pigmentgetränkte Oberfläche auch gleichzeitig poliert.

Verwende ich statt Leinwand Papiercollagen aus Daphne oder Papyrus als Bildträger, erhalte ich gröbere, reliefartige „Farb-Berge“. Durch die Verleimung von mehreren Papieren wird die dem Papier eigene Faserstruktur hervorgehoben, das heisst, die Glättung des Bogens wird durch das erneute Nässen aufgehoben und das Papier
wellt sich in seine ursprüngliche Faserstruktur. Mittels Abstreifen/Anlagern von mineralischem Pigment mit einem Schwamm wird die Papierstruktur farblich hervorgehoben und sichtbar.

Beim Experimentieren mit verschiedenen Pigmentbindern ist auch eine Serie entstanden in der die Pigmente in Öl gebunden sind. Der Prozess arbeitet mit der Öl-Wasserabstossung und der Schwamm dient als Druckstock.

Der für den Pigmentauftrag verwendete Schwamm saugt sich über die Jahre mit dem mineralischen Pigment voll, wird zum Schleifwerkzeug und schliesslich selbst zum Objekt.

Manu Wurch "Dialog", 2010, Galerie Kunstreich, Bern